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Informationen über Süchte

Suchtgefährdete junge Menschen sind in allen Milieus zu finden. In der Spaß- und Konsumgesellschaft lauern überall legale und illegale Drogen und sie sind relativ leicht zu beschaffen. Aber auch das neugierige Ausprobieren des Riskanten und Unbekannten lässt Kinder und Jugendliche mit Suchtstoffen experimentieren. Nicht selten führt der Konsum von Alkohol oder Drogen im Kindes- und Jugendalter zu einem verfestigten Suchtverhalten im Erwachsenenalter.

Jugendliche sind besonders gefährdet durch Probleme, Unzufriedenheit, Missmut, mangelnde Perspektiven und Impulsivität. Durch Suchtmittel erscheint das Leben leichter, freundlicher, zufriedener und zugewandter. Das macht den Griff zur Flasche, zur Pille oder zum Joint so attraktiv. Und das ist auch der Grund für das bodenlose Abtauchen in virtuelle Computer- oder Glücksspielwelten.

Längst ist bekannt, dass schon an sich harmlose Angewohnheiten zu Abhängigkeiten führen können - Sie machen uns erst unfrei und in vielen Fällen auch krank. Gleiches gilt für Suchtmittel.

Was kann abhängig machen? Wann bin ich gefährdet? Wann schon abhängig?

Wir haben Antworten. Zu den wichtigsten Suchtformen und Suchtmitteln gibt es entsprechende Informationen.

  • Kinder suchtkranker Eltern

    In Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder unter 18 Jahren, die mit mindestens einem suchtkranken Elternteil aufwachsen. Diese Kinder leiden häufig unter kognitiven Einschränkungen sowie sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen.

    Alle Forschungen belegen, dass Kinder suchtkranker Eltern ein bis zu sechsmal höheres Risiko haben, selbst suchtkrank zu werden als Kinder aus anderen Familien. Das familiäre Klima, Unberechenbarkeit, Stress, Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Instabilität sind die eigentlichen Risikofaktoren.

    Kinder suchtkranker Eltern

    • werden in der Schule häufiger durch mangelnde Leistungen und unangemessenem Verhalten auffällig
    • zeigen vermehrt Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen und häufiger ein gestörtes Sozialverhalten
    • zeigen mehr Ängste und depressive Symptome, insbesondere bei einer als belastend empfundenen häuslichen Atmosphäre
    • sind öfter sexuellem Missbrauch ausgesetzt
    • neigen eher zu somatischen und psychosomatischen Symptomen

    Zudem leiden Mädchen und junge Frauen alkoholkranker Eltern vermehrt unter Essstörungen. Als junge Erwachsene berichten Kinder suchtkranker Eltern gehäuft von Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen.

    Die Belastungen aus der Kindheit wirken oft erst im Erwachsenenalter, zwischen 20 und 30 Jahren und in Umbruchsituationen im Leben, als psychische Spätfolgen. Einige Kinder alkoholkranker Eltern wirken als Erwachsene irgendwie verhangen, beschwert und belastet, so dass man den Eindruck gewinnt, sie seien in ihrer Jugend zu kurz gekommen oder um ihre Kindheit betrogen worden.

  • Alkohol

    Jedes Jahr trinken etwa 750.000 junge Menschen in Deutschland zum ersten Mal in ihrem Leben Alkohol. Für rund zehn Prozent von ihnen kann dies der Beginn einer Alkoholabhängigkeit sein. Erwiesen ist, dass der Gefährdungsgrad umso höher ist, je niedriger das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum liegt. Alkohol beeinträchtigt die seelisch-geistige und körperliche Entwicklung der jungen Menschen.

    Erster Schritt in die Erwachsenenwelt

    Kinder werden frühzeitig an den Geschmack von Alkohol gewöhnt: In vielen Süßigkeiten und Lebensmitteln, die ausdrücklich für diese Altersgruppe angepriesen werden, ist Alkohol enthalten. Das Schlückchen Sekt zu Mamas Geburtstag, der kräftige Schluck aus der Bierkiste bei der Konfirmation – für viele Kinder stellt sich das als erster Schritt in die Welt der Großen dar. Erwachsene bestärken sie oft in dieser Annahme.

    Die Gefahren sind beträchtlich:

    • Bereits ab 0,5 Promille Alkohol im Blut kann ein Kind bewusstlos werden.
    • Schon kleine Mengen Alkohol können für Kinder aufgrund ihres geringen Körpergewichts tödlich sein: Bei Schulkindern reichen drei Gramm Alkohol je Kilo Körpergewicht, bei Erwachsenen führt erst doppelt so viel zum Tod.

    Alkohol als Zeichen von Stärke?

    Jugendliche greifen in ihren Cliquen immer früher zur Flasche – und zur Zigarette. Mitzutrinken gilt gerade bei Pubertierenden oft als Zeichen von Stärke. Man fühlt sich cool, und subjektiv steigt nach ein, zwei Bier das Selbstvertrauen, Hemmungen und Ängste verschwinden. Wer nicht mittrinkt, gilt schnell als Spielverderber/-in und Außenseiter/-in.

    Auch wenn die Zahl im Trend leicht zurückgeht, bleibt der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen als Problem akut. Dem Bericht der Bundesdrogenbeauftragten von 2009 zufolge weist fast jede und jeder zehnte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf.

    „Koma-Saufen“

    Das so genannte „Koma-Saufen“ gehört trotz aller Warnungen vor den Risiken bei vielen Jugendlichen zum Alltag. Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen sind laut Bericht mindestens einmal pro Monat betrunken – nicht selten bis zur Besinnungslosigkeit. Im Jahr 2008 mussten nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) rund 25.700 Kinder und Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden, was eine Steigerung um fast das Dreifache im Vergleich zum Jahr 2000 darstellt.

    Das Aroma macht‘s

    Als Einstiegsdroge für die Jüngeren waren Alkopops berüchtigt – süße Mischgetränke, die aus Alkohol und Limonaden bestehen, zum Beispiel Rum mit Limone. Zwar ist die Abgabe nur an über 18-Jährige gestattet und 2004 wurde eine Sondersteuer auf diese Getränke erhoben, was den Umsatz stark zurückgehen ließ. Aber nach wie vor zielt die Spirituosen-Branche mit Produkten dieser Art sehr erfolgreich auf junge Konsumierende ab: Biere mit Grapefruit- oder Minzgeschmack verkaufen sich immer besser. In den vergangenen fünf Jahren ist der Absatz um insgesamt 60 Prozent gestiegen.

  • Illegale Drogen

    Verbotene Drogen wirken für manche junge Menschen besonders attraktiv, gerade weil sie verboten sind. Das Risiko, das etwa mit dem Konsum von Cannabis verbunden ist, hebt die Erfahrung aus dem Alltag heraus – man ist etwas Besonderes, gehört nicht zu den normalen Biertrinkenden in Gaststätten und Festzelten. Nach Angaben der DHS muss in Deutschland von 2,4 Millionen Cannabiskonsumierenden und 645.000 Konsumierenden anderer illegaler Drogen ausgegangen werden. Einen missbräuchlichen Cannabiskonsum praktizieren 380.000 Menschen. 220.000 Menschen sind von Cannabis abhängig.

    (Quelle: www.dhs.de/datenfakten/illegale-drogen)

    Cannabis

    Untersuchungen zur Verbreitung von Cannabis zeigen, dass die meisten Konsumentinnen und Konsumenten nur gelegentlich kiffen und nach einer Weile ihren Konsum wieder einstellen. Der Drogenbericht der Bundesregierung geht davon aus, dass bundesweit 2,3 Prozent der Jugendlichen zu Cannabis greifen. Etwa 20 Prozent aller Konsumierenden kifft jedoch fast täglich, ein Teil entwickelt eine Abhängigkeit. Die Betroffenen erleben das oft als belastend, weil sie vieles nicht mehr „auf die Reihe kriegen“. Doch trotz negativer Folgen schaffen sie es nicht, den Konsum einzustellen oder zu reduzieren.

    Ob sich eine Abhängigkeit aus dem Cannabiskonsum entwickelt, ist unter anderem von folgenden Faktoren abhängig:

    • Je früher jemand anfängt zu kiffen, desto höher ist das Risiko, später einen problematischen Konsum zu entwickeln
    • Abhängige Konsumentinnen und Konsumenten weisen häufiger psychische Probleme auf, wobei diese sowohl Ursache als auch Folge der Abhängigkeit sein können
    • Aus einem zunächst gelegentlichen Konsum kann sich ein „hartes“ Konsummuster entwickeln, das in die Abhängigkeit führt

    ... und die anderen

    Opiate, Kokain, Designerdrogen, Zauberpilze – das Spektrum an Substanzen, die laut Betäubungsmittelgesetzt illegal sind, ist sehr groß. An dieser Stelle kann nicht differenziert darauf eingegangen werden. Während in den 1970-er Jahren Drogenkonsum immer auch als politischer Protestakt betrachtet wurde, um sich von der Gesellschaft abzugrenzen, spielt diese Motivation zum Konsum heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

    Jugendliche interessieren sich heute für Stoff, der sich als trendige Spaß- und Partydroge verkaufen lässt. Das Drogen für die User und für die ganze Gesellschaft alles andere als Spaß bringen, steht auf einem anderen Blatt.

  • Medien

    Als neue Herausforderungen nennt der Sucht- und Drogenbericht 2009 die Online- und Computersucht. Drei bis sieben Prozent der Internetnutzenden gelten als onlinesüchtig, ebenso viele werden als stark suchtgefährdet eingestuft. Jugendliche sind hier verstärkt betroffen.

    Mediensucht ist (im Gegensatz zur stoffgebundenen Sucht) eine Verhaltenssucht. Dies ist eine relativ neue Bezeichnung für exzessive Verhaltensweisen, die Merkmale einer psychischen Abhängigkeit aufweisen und von Betroffenen willentlich nicht mehr vollständig kontrolliert werden können. Beispiele sind Arbeitssucht, Kaufsucht, Glücksspielsucht, Sportsucht und Sexsucht sowie Internet-, Fernseh-, Handyabhängigkeit, Computerspielsucht.

    Der Bereich der Internetpornografie wird hierzulande nach Aussagen von Expertinnen und Experten weitgehend folgenlos bagatellisiert. Nach der repräsentativen „Dr.-Sommer-Studie“ („Bravo“, 2009) haben bereits 42 Prozent der elf- bis 13-jährigen Kinder und 79 Prozent der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen pornografische Bilder oder Filme gesehen – im Internet oder auf ihrem Handy. Bei der Befragung durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen 2007/2008 gaben 7 Prozent der Jungen an, täglich Pornofilme zu konsumieren, 20,7 Prozent tun es mindestens einmal wöchentlich. Bei den Mädchen waren es nur 0,7 Prozent.

  • Rauchen

    Die Zahlen geben Anlass zu Hoffnung: Nach einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist der Anteil der Rauchenden bei den 12- bis 17-jährigen Jungen und Mädchen in Deutschland seit 2001 deutlich gesunken. Bei den männlichen Jugendlichen sank die Raucherquote von 27,2 Prozent im Jahr 2001 auf 14,7 Prozent im Jahr 2008 und bei den weiblichen Jugendlichen von 27,9 Prozent (2001) auf 16,2 Prozent (2008). Insgesamt rauchten im Jahr 2008 noch 15,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, 2001 waren es noch 28 Prozent.

    Liegt es am Bundesnichtraucherschutzgesetz, das 2007 eingeführt wurde und das Rauchen in öffentlichen Räumen weitgehend untersagt? Liegt es an den gestiegenen Preisen für Zigaretten? Oder an den Kampagnen, die an Gesundheitsgefahren durch Rauchen erinnern?

    Tatsache ist, dass fast jeder junge Mensch es irgendwann einmal mit dem Rauchen probiert – und über einen gewissen Zeitraum dabei bleibt. In der Clique und auf dem Schulweg oder vor der Disco gehört die Zigarette zur Standardausrüstung junger Menschen. Über die Suchtgefahren von Nikotin machen sich die wenigsten Gedanken. Und trotz drastischer Warnungen vor Gesundheitsschäden ist der Reiz des Rauchens für viele nach wie vor stark. Die Deutsche Krebsgesellschaft sieht daher keine Anzeichen für eine Entwarnung: „Jugendliche, besonders Mädchen, greifen in den letzten Jahren zunehmend zur Zigarette. Der Gesamtanteil der Raucher über 15 Jahren hat sich jedoch nicht wesentlich verändert. Für jeden Jugendlichen, der anfängt, hört ein Erwachsener auf oder stirbt an den Folgen. Oder umgekehrt ausgedrückt: Für jeden Raucher, der stirbt oder aufhört, muss die Zigarettenindustrie einen neuen jugendlichen Raucher ködern.“

  • Essstörungen

    Essstörungen sind psychosomatische Krankheiten mit Suchtcharakter. Das bedeutet: Seele (psyche) und Körper (soma) sind daran beteiligt. Über das gestörte Essverhalten senden junge Menschen, die sich nicht anders ausdrücken können, Botschaften. Sie zeigen zum Beispiel durch Magersucht oder Bulimie ihre Nöte, Wünsche oder Befürchtungen. Und die sind ganz persönlich und äußerst verschieden. Deshalb kann es keine Patentrezepte geben – weder zum Umgang mit dem essgestörten Kind noch zur Heilung der Erkrankung. Auf der Website www.bzga-essstoerungen.de gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Hinweise für Eltern, Angehörige oder Lehrkräfte zum Umgang mit Betroffenen:

    • Müttern und Vätern fällt es oft schwer zu erkennen, dass sie nur wenig helfen können. Meist ist das Problem in der Familie nicht zu lösen. Eltern können aber dazu motivieren, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und sie können Bedingungen verändern, die die Essstörung aufrechterhalten.
    • Es macht keinen Sinn, über die Schuldfrage nachzugrübeln. Es sollten Wege gesucht werden, die aus der Situation führen und der/dem Betroffenen helfen
    • Nicht die Augen verschließen und nicht tatenlos zusehen. Essstörungen sind keine Phasen oder Schlankheitsticks, die irgendwie vorübergehen. Essstörungen sind Krankheiten, die nicht nur das essgestörte Kind, sondern meistens die ganze Familie extrem belasten
    • Es ist wichtig, in Bezug auf die Essstörung sich gemeinsam der Krankheit zu stellen und eine gemeinsame Strategie im Umgang mit dem essgestörten Kind zu entwickeln. Leben die Eltern nicht mehr zusammen, hat das Kind aber noch Kontakt zum getrennt lebenden Vater oder zur getrennt lebenden Mutter, so sollte er/sie ebenfalls einbezogen werden.

Was ist zu tun?

Ob der Probierkonsum Jugendlicher zu Missbrauch, Gewöhnung und schließlich Abhängigkeit führt, hängt unter anderem von bestimmten Schutz- und Risikofaktoren ab. Nachfolgend werden einige Faktoren betrachtet, die sich auf den Konsum von Rauschmitteln, wie zum Beispiel Alkohol und Cannabis beziehen. Alle Schutz- und Risikofaktoren sind aber auch übertragbar auf verhaltensbezogene Risiken, die beispielshalber zu Essstörungen, Medien- oder Glücksspielabhängigkeit führen können.

Schutzfaktoren

  • Gesundes Selbstwertgefühl
  • Freundeskreis, in dem Rauschmittel maßvoll konsumiert werden
  • Eltern, die selbst verantwortungsvoll mit Rauschmitteln umgehen
  • Problemlösungs-Kompetenz
  • Vielseitiges Freizeitverhalten

Risikofaktoren

  • Unsicherheit, Ängste und Einsamkeit
  • Schwere Belastungen, Stress und traumatische Erfahrungen
  • Schwierige familiäre und soziale Situation
  • Leichte Erreichbarkeit von Rauschmitteln
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